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Die Fremdsteuerung

Ja, das ist jetzt dumm.

Wenn im Johannesevangelium Kapitel 3 die Verse 7 und 8 schön getrennt und jeder für sich alleine stehen würde, dann hätten die Dogmatiker aller Fraktionen ihre Freude an den beiden Versen.

Das Problem ist nur: Die stehen nicht alleine. Die gehören zusammen. Vers 8 erklärt Vers 7.

In Vers 7 betont Jesus noch einmal, dass Nikodemus sich nicht über die Aufforderung wundern soll, dass er von neuem geboren werden muss.

Und Vers 8 begründet das damit, dass jeder aus dem Geist geborene Mensch ähnlich wie der Wind empfunden wird: Man sieht seine Wirkung, aber man weiß weder, wie diese Wirkung eigentlich entsteht, noch welches Ziel dieser Mensch mit seinem Handeln hat.

Der Zusammenhang sagt also: "Lieber Nikodemus, Du musst so werden wie dieser Mensch, dessen Wirkung man zwar sieht, über dessen Kraft und Motivation man aber nichts sagen kann."

Nikodemus wäre durchaus bereit, etwas für Gott zu leisten. Oder etwas dazu zu lernen. Nikodemus hat als Pharisäer immer Einsatz für die Sache Gottes gebracht.

Und jetzt soll er neu geboren werden - und das kann er nicht selber machen.

Und bisher gab es ein klar definiertes Idealbild, an dem Nikodemus sich orientierte: Das Gesetz. Und damit den Menschen, der das Gesetz komplett erfüllt. Und der damit den Willen Gottes in bester Weise, vielleicht sogar perfekt, tut.

Damit war Nikodemus aber selbstbestimmt. Er entschied selber, was er jetzt machte, um Gottes Willen zu tun. Er las im Gesetz, und dann traf er eine Entscheidung. Und verzehntete den Schnittlauch oder brachte das richtige Tier als Opfer oder lehnte eine Buddha-Statue im Wohnzimmer als Götzenbild ab.

Und diese Selbstbestimmung sollte er jetzt aufgeben.

Denn der vom Geist gesteuerte Mensch ist fremdbestimmt.

Und natürlich hätte Nikodemus es wissen müssen. Denn schon in Jeremia 31:33 sagt Gott, dass er sein Gesetz in das Innere der Menschen legen wird und es auf das Herz der Menschen schreiben wird. Und damit wird das Herz des Menschen automatisch von Gottes Gesetz gesteuert, und der Mensch hat das Gesetz nicht mehr als äußeren Antrieb, sondern als inneren. Und er ist damit fremdgesteuert. Und damit ist sein Handeln nicht mehr im eigentlichen Sinne folgerichtig. Das ist wie bei dem Wind:

  • Man weiß nicht, woher das kommt, also welche Ursachen das hat, aus welcher Geschichte heraus das jetzt passiert.
  • Man sieht, was im Moment ist; die momentane Wirkung.
  • Man weiß nicht, wohin das führt; was das Ziel des Ganzen ist; was dabei herauskommen wird.

Und das gilt auch für den Geistgeborenen selbst. Auch er weiß nicht, was dazu geführt hat, dass er gerade jetzt diesen oder jenen Auftrag bekommt. Er kennt den momentanen Auftrag oder die momentane Aussage Gottes. Aber wohin das am Ende führt, weiß er nicht.

Kann man übrigens bei Paulus und Petrus und auch bei Elia sehen, dass sie den großen Zusammenhang, in dem sie gerade handelten, oft nicht kannten.

Das war also die Botschaft von Vers 7 und 8 an Nikodemus: Du musst von neuem geboren werden, weil sonst die Fremdsteuerung nicht funktioniert.




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