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Klagelieder, Kapitel 2

Das zweite Lied der Klagelieder beklagt einen Vorgang, der weltweit unvorstellbar ist und war: Dass sich nämlich ein Gott gegen sein eigenes Volk wendet und es besiegt und vernichtet. So etwas wäre von den babylonischen oder ägyptischen Göttern völlig undenkbar gewesen. Die hätten sich zwar vielleicht gelegentlich in Schweigen gehüllt und einfach gar nichts gemacht, aber dass sie gegen ihre eigenen Leute vorgehen, das war nicht vorstellbar.

So erfährt man aus diesem Lied, dass Gott tatsächlich eine Beziehung zu seinen Leuten will und pflegt, und diese Beziehung kann, wie jede andere auch, in Feindschaft umschlagen. Wobei nicht Gott derjenige ist, der mit der Feindschaft anfängt, sondern Gott reagiert auf das Verhalten seines Gegenübers. Und man bekommt dann nicht irgendwelche theologischen Probleme, sondern man bekommt es mit Gott zu tun. Und mit dem persönlich handelnden Gott hatte man eigentlich nicht gerechnet.

Man erfährt hier auch, dass der Wille Gottes keineswegs immer das ist, was man sich vorstellt, dass er es sei. Es kann eben durchaus sein, dass Gott die Richtung wechselt, und wenn man das nicht mitbekommt und glaubt, es ginge alles noch den gleichen Weg wie früher, dann bekommt man große Probleme.

Wobei diese zweite Möglichkeit des göttlichen Willens, nämlich der Fluch bei Ungehorsam, durchaus schon bei Mose angekündigt war und viele Male von zeitgenössischen Propheten wiederholt worden war. Aber weil man eben nicht an einen persönlichen Gott denkt, der seine Meinung ändern kann, sondern nur in theologischen Glaubenssätzen denkt, die man sich für alle Zeit festbetoniert vorstellt, darum wird man völlig davon überrascht, dass Gott all das, was er jahrhundertelang für wichtig und erstrebenswert verkündet hat, jetzt für überflüssig erklärt und es zerstört.




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