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Abendmahl

Herkunft

Das Abendmahl wurde von Jesus an einem seiner letzten Lebenstage neu erfunden. Diese Erfindung basiert allerdings auf dem Passahmahl der Israeliten, das diese aus Ägypten mitgebracht hatten.

Name

Jesus hat dem Abendmahl keinen Namen gegeben. Wir nennen es Abendmahl, weil es an einem Abend erfunden wurde. Paulus nennt die gleiche Veranstaltung auch "Tisch des Herrn" (1.Kor 10,21) oder "Herrenmahl" (1.Kor 11,20) oder auch den "Kelch des Herrn" (1.Kor 10,21 + 11,27).

Zeitpunkt der Durchführung

Jesus hat für das Abendmahl zwar die Wiederholung vorgesehen, aber weder Zeitpunkt noch Rhythmus bestimmt. Die Erstaufführung fand vermutlich an einem Donnerstag statt, die erste Gemeinde in Jerusalem wiederholte es täglich (Apg 2,46), und später hat es sich durchgesetzt, dass die Gemeinde es dann aß, wenn sie sowieso zusammen war - in der Regel also sonntags.

Form

Jesus hat keine besondere Form für dieses Essen vorgegeben. Nur Brot, Wein, und zusammen. Da das Abendmahl im Grunde die Weiterführung des Passahmahles war, kann man sich bei der Durchführung natürlich am Passahmahl orientieren - das ist heute aber weder in den Volkskirchen noch in den meisten freien Gemeinden üblich.

Inhalt

Schwerpunktmäßig hat das Abendmahl nur wenige Inhalte:

  • Das Brot symbolisiert den Körper Jesu, den er opfert
  • Der Wein symbolisiert das Blut Jesu, das vergossen wird
  • Wenn man dies isst und trinkt, dann zum Gedächtnis Jesu
  • Das Abendmahl ist Zeichen des neuen Bündnisses zwischen Gott und den Menschen
Mehr ist das nicht.

Wenn man länger darüber nachdenkt, ist es natürlich unendlich viel mehr, denn hinter der einfachen Form des Abendmahles verbergen sich hochkomplexe göttliche Zusammenhänge. Und wer die versteht oder wer sich damit beschäftigen will, der kann das gerne tun und wird sicher viel Gewinn davon haben.

Aber Jesus hat mit Absicht eine Form und einen grundsätzlichen Inhalt bestimmt, die einfacher kaum sein könnten. Damit jede Gemeinde mit allen Varianten an Menschen das Abendmahl durchführen kann, ohne das Gefühl haben zu müssen, ihr Abendmahl wäre nicht vollständig.

Persönliche Wertung

Es gibt Christen, denen ist das Abendmahl ungeheuer wichtig und lieb und wert, und es gibt Christen, denen sagt es nichts und denen ist es folglich ziemlich egal. Solange wie die Einen nicht über die Meinung der Anderen zu Gericht sitzen, sollte man mit dieser unterschiedlichen Einschätzung zurecht kommen können. Man muss ja auch bedenken, dass das Verhältnis der Menschen zu diesem Essen manchmal mit der Form, manchmal aber auch mit dem Inhalt oder seiner Darstellung zu tun hat.
Missverständnisse

Vergebungsmaschine

Zu denken, dass das Essen des Abendmahles einem die Sünden (der letzten Woche ...) vergibt, das Nichtessen den Sündenvorrat im eigenen Leben hingegen weiter anwachsen lässt, ist ein sehr übles Missverständnis.

Diese Auffassung hebt nämlich das Abendmahl auf das Niveau eines magischen Rituals: Die Durchführung des richtigen Ritus, möglichst noch begleitet von den richtigen Worten, setzt eine Zauberkraft frei. Kein (richtiger) Ritus, keine Zauberkraft.

Die Gemeinde ist aber weder ein magischer Zirkel noch eine Leistungsgesellschaft. Die Vergebung der Sünden ist weder von einem Ritus abhängig noch von irgendwelchen Leistungen, welche die Gläubigen zu erbringen haben. Die Vergebung durch Gott ist auch nicht zeitlich begrenzt, sie hat keine Halbwertzeit und kein Verfallsdatum. Gott vergibt dem Menschen dessen Sünden entweder vollständig, grenzenlos und für immer (auch im voraus), oder gar nicht. Und ein Ritus oder ein bestimmtes Verhalten können daran nichts ändern.

(Gott ist nämlich nicht bestechlich und die Gnade nicht käuflich.)

Unwürdig

Es gibt eine Bibelstelle in 1.Kor 11,27, welche da lautet:

Wer also unwürdig das Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, wird des Leibes und Blutes des Herrn schuldig sein.

Das hat dann zu dem Missverständnis geführt, dass man nicht am Abendmahl teilnehmen soll, wenn man

  • seit dem letzten Abendmahl schwer gesündigt hat
  • vorher nicht genug gebetet hat
  • einen Mangel in seiner eigenen geistlichen Verfassung entdeckt
  • ungelösten Streit mit jemandem hat oder jemandem etwas nachträgt und es noch nicht vergeben hat
Das Missverständnis besteht darin, dass man "unwürdig" auf den eigenen Zustand bezieht.

Dieses Verständnis des Textes gibt aber weder der Zusammenhang noch die Grammatik her.

Grammatik:
Das Wort "unwürdig" ist an dieser Stelle ein Adverb, kein Adjektiv. Es bezeichnet die Art, wie man handelt, aber nicht die Art, wie man ist (mit einem "s"!). Es beschreibt mein Verhalten, nicht meinen Zustand.

Zusammenhang:
Es geht in dem ganzen Abschnitt darum, dass einige das Abendmahl so zu sich nahmen, dass sie hinterher (manche sogar schon vorher) betrunken waren, während andere überhaupt nichts abbekommen haben vom Wein. Die Durchführung ging so vonstatten, dass einige (Reiche) hinterher völlig überfressen waren, während einige (Arme) noch nicht einmal ansatzweise satt geworden waren.

Und das nennt Paulus eine unwürdige Durchführung des Abendmahles. So ist es Jesus nicht würdig. So wird die Absicht, die Jesus mit diesem Essen hatte, mit Füßen getreten.

Zusammenfassung:
Da das Abendmahl normalerweise nur von Gläubigen gegessen wird, dürfte es ziemlich unmöglich sein, dass ein Mensch unwürdig für das Abendmahl ist, sich also in einem unwürdigen Zustand befindet. Obwohl per se jeder Mensch unwürdig ist, sich Gott zu nähern, hat Gott doch jeden Gläubigen würdig gemacht. Und fehlerhaftes Verhalten kann diesen würdigen Zustand des Menschen nicht zerstören.

Das Abendmahl auf unwürdige Art und Weise durchzuführen, ist zwar schwierig, aber nicht unmöglich. Ein solcher Fall liegt aber nur vor, wenn die Absicht Jesu, die hinter dem Abendmahl steht, auf gröbste Art und Weise mit Füßen getreten wird.

Das Abendmahl ist ein Sakrament

Auf diesen Punkt können wir hier schlecht eingehen, denn die Kirchen sind sich überhaupt nicht einig, was eigentlich ein "Sakrament" ist, welche Bedeutung und Wirkung es hat. Der Begriff "Sakrament" ist nicht definiert. Jede Kirche versteht darunter etwas völlig anderes. Es gibt dazu auch einen Artikel in diesem Lexikon.

Also stellen wir hier jetzt mal die steile Behauptung auf: Das Abendmahl ist kein Sakrament, denn damit es das sein könnte, müsste man "Sakrament" zuerst einmal definieren.



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