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Beten im Namen Jesu

Das "Beten im Namen Jesu" ist ein Unterpunkt des Themas "Vollmacht".

Üblicherweise wird das "Beten in Jesu Namen" so verwendet wie ein Zauberspruch oder eine magische Formel: Am Ende des Gebetes sagt der Betende "In Jesu Namen, Amen!", und damit ist das Gebet - tja, was eigentlich? Das müsste man die Personen, die den Spruch verwenden, mal fragen. Gültig? Richtig? Vollständig? Gottgefällig?

Nun kommt die Formulierung "Beten im Namen Jesu" nur im Johannes-Evangelium vor. Die anderen Evangelien kennen den Ausdruck nicht, die Apostelgeschichte und die Offenbarung ebenfalls nicht, und keiner der Briefeschreiber benutzt diesen Begriff.

Wenn also nur Johannes in seinem Evangelium diesen Ausdruck verwendet, muss man, um zu verstehen, was er meint, in den anderen Schriften schauen, ob dort etwas Vergleichbares mit anderen Worten beschrieben wird.

Was wäre etwas Vergleichbares?

Im Namen eines Anderen handeln zu können, bezeichnet normalerweise eine Vollmacht, die ich von dem anderen erhalten habe und die nicht von meiner Person und meinen Möglichkeiten abhängig ist, sondern von der Person und den Möglichkeiten des Vollmachtgebers. Es bezeichnet ein Recht, das ich selbst nicht hätte, das aber der Vollmachtgeber hat. Ich kann infolge dessen so handeln, als wäre ich der Vollmachtgeber.

"Beten im Namen Jesu" würde also heißen, so mit Gott reden zu können, als wäre man selbst Jesus.

Man hätte also das Recht, Gott gegenüber als Jesus aufzutreten.

(Wem jetzt das Licht aufgeht, dass die Gemeinde ja "Leib Christi" ist, also der neue Körper von Jesus, die gerade eben beschriebene Bedingung also längst gegeben ist, der hat was Wichtiges verstanden.)

Und die nächste Frage wäre, ob Gott zu Jesus jemals "Nein" gesagt hat. Ob Gott Jesus jemals eine Bitte verweigert hat.

Und soviel wir wissen, hat er das nicht. Denn Jesus war dem Willen Gottes völlig untertan, also entsprachen auch seine Bitten alle dem Willen Gottes, also hat Gott dem Jesus keinen Wunsch abgeschlagen.

Wenn wir also etwas "im Namen Jesu" bitten können, ist uns die Erhörung garantiert. Aber eben nur, wenn unsere Bitte durch die Vollmacht, die wir von Jesus haben, gedeckt ist. Wenn sie dem Willen Gottes entspricht.

Wenn wir beten würden, dass Gott unserem Nachbarn das Haus abfackeln soll oder unseren Konkurrenten in der Prüfung durchfallen lassen soll, ist das nichts, was Jesus selbst gebetet hätte. Wir können das also nicht "in Jesu Namen" beten, denn diese Bitten sind von der Vollmacht, die wir haben, nicht gedeckt.

Aber alles, was von dieser Vollmacht gedeckt ist, werden wir bekommen. Wenn Jesus dieser Wunsch erfüllt worden wäre, wird er uns auch erfüllt.

"Beten in Jesu Namen" ist also vergleichbar mit all den Gebetsgarantien, die wir von den anderen Schreibern des Neuen Testamentes kennen:

  • "Bittet, so wird Euch gegeben" (Mt 7,7)
  • Die unverschämte Art zu beten (Lk 11,8)
  • Beten wie Berge versetzen (Mk 11,20)
  • "in Jesus bleiben" (Jh 15,7)
  • So beten, als hätte man ein Recht auf diese Sache (Lk 18,7)
"Beten in Jesu Namen" ist aber nicht, am Ende des Gebetes eine entsprechende Zauberformel zu sprechen.

Denn wenn das der Zauberformel vorangehende Gebet gar nicht in Jesu Namen war, dann wird es das auch durch den magischen Spruch nicht.

War es aber im Sinne Jesu, dann merkt Gott das, ohne dass wir eine mystische Formulierung benutzen.




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