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Beten: Die Unverschämtheit

In Lukas 11 ab Vers 5 erzählt Jesus drei Gleichnisse, die alle drei völlig absurd sind. Darum erzählt Jesus diese Geschichten auch im Konjunktiv. Die Personen in diesem Gleichnis han-deln so, wie niemals ein Mensch handeln würde.

Und die Aussage ist, dass Gott natürlich auch nicht so handeln wird.

Die erste Geschichte handelt von einem Vorgang in einem jüdischen Dorf der damaligen Zeit. Ein Mann hat überraschend Besuch bekommen, und geht nun zu seinem Freund im gleichen Dorf, um ihn um drei Brote zu bitten, damit dem Besucher etwas vorsetzen kann.

Die Begründung hinter dieser Geschichte ist das Gebot der Gastfreundschaft, gepaart mit dem Mangel an Tiefkühltruhen und Tankstellen.

Gastfreundschaft war nun mal eines der höchsten Gebote der damaligen Gesellschaft, und man konnte vieles vernachlässigen, ohne bleibenden Schaden zu erleiden, aber dieses nicht. Und weil die Vorratshaltung schwierig war und Gastfreundschaft oft sehr plötzlich gefordert war (was auf den Mangel an Handys zurückzuführen war), darum war Gastfreundschaft nicht nur Aufgabe des Einzelnen, sondern die Aufgabe des ganzen Dorfes.

(Unter diesem Aspekt ist der Wunsch der Donnersöhne, Feuer auf ein samaritisches Dorf regnen zu lassen, weil dieses Dorf Jesus die Gastfreundschaft verwehrte, nach damaligen Vorstellungen völlig legitim.)

Als also der Mann um Mitternacht zu seinem Freund ging, um um Hilfe bei der Gastfreundschaft zu bitten, da brachte er diesen Freund in die Lage, dass dieser nicht "Nein" sagen konnte. Es ging einfach nicht. Das Gesetz der Gastfreundschaft verlangte den ganzen Einsatz, und Argumente wie "die Kinder würden aufwachen" waren schlicht zu schwach, um einen von der Pflicht zu Gastfreundschaft zu befreien. ("Ich bin tot" wäre als Argument stark genug gewesen. Alles darunter nicht.)

Die "Unverschämtheit" in Lukas 11, Vers 8 besteht also nicht darin, dass dieser Mann um Mitternacht zu seinem Freund geht - der wohlerzogene Westeuropäer würde so etwas allerdings auch als Unverschämtheit empfinden, aber dieser Text wurde nicht von Westeuropäern geschrieben - sondern die Unverschämtheit besteht darin, dass er den Freund in eine Lage bringt, in der dieser nicht Nein sagen kann.

(Das Wort "Unverschämtheit" kommt nur hier in der Bibel vor und macht deshalb Probleme beim Übersetzen. Es bedeutet so etwas wie "Dreistigkeit", "Zudringlichkeit", "Missachtung von Rücksichten".)

Und dieses Gleichnis begründet die folgenden Aussagen, nämlich dass Gott niemals eine wichtige Bitte abschlagen wird.

Dieses Gleichnis ist aber zugleich eine Anleitung fürs Beten: Wenn Du Gott in die Lage bringst, dass er unmöglich "Nein" sagen kann, dann kann er eben nicht "Nein" sagen. Dann muss er Dir geben, um was Du ihn bittest.

Also mach mal!




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