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Widersprüche in der Bibel

Inhalt:

Sich widersprechende Berichte
Unzutreffende Schilderung politischer Umstände

Es gibt bekanntlich eine ganze Reihe von Widersprüchen in der Bibel.

Die meisten davon sind allerdings beabsichtigt und keineswegs ein Versehen, welches auf die miserable Qualität der Bibel hinweist.

Denn die Leute, die die biblischen Texte aufgeschrieben haben, waren ja auch nicht dümmer als wir, und sie haben selbstverständlich gemerkt, dass sie da Dinge aufschreiben, die entweder sich selbst widersprechen oder anderen Texten in der Bibel widersprechen. Sie haben ihre Texte (oder die schon vorhandenen) aber nicht etwa angeglichen, um den Schein von Übereinstimmung zu wahren, sondern so widersprüchlich nebeneinander stehen lassen. Auf dieser Seite des Lexikons wird erklärt, warum.

Zwei Berichte, die sich widersprechen

Von allen wahrhaft bedeutsamen Ereignissen in der Bibel haben wir zwei oder mehr Berichte, die erkennbare Unterschiede aufweisen:

  • von der Erschaffung der Welt und ihrer Komponenten
  • von der Sintflut
  • von den wichtigen Bestimmungen des Gesetzes vom Sinai
  • vom Leben der Könige von Juda
  • von der Abstammung Jesu (der Stammbaum)
  • von der Gerichtsverhandlung und dem Tod Jesu
  • von der Auferstehung Jesu
  • von der Bekehrung des Paulus

Besonders drastisch wird dieses Prinzip dann in der Offenbarung des Johannes, wo wir von jedem Ereignis bis zu 5 Berichte haben, alle mit anderem Schwerpunkt, alle aus einer anderen Perspektive geschrieben, aber alle vom gleichen Ereignis handelnd.

Der Sinn der doppelten (und teilweise widersprüchlichen) Berichtserstattung bei wichtigen Ereignissen ist das Prinzip der zwei Zeugen (5.Mose 19,15). Nach den im Altertum geltenden Regeln brauchte man vor Gericht mindestens zwei Zeugen, die einen Vorgang bestätigen konnten, damit die Sache als wahr anzusehen war. Zwei unterschiedliche Zeugen werden aber niemals genau das Gleiche berichten, da unsere Wahrnehmung sehr selektiv ist und zudem die beiden Zeugen ja das Ereignis von unterschiedlichen Standpunkten, unterschiedlichen Blickwinkeln und unterschiedlicher Entfernung wahrgenommen haben werden. Folglich geht man davon aus: Wenn beide genau das Gleiche berichten, haben sie sich abgesprochen, und ihre Aussage ist nicht wahr.

Das, was der moderne Mensch also als Schwäche der Bibel wertet, sahen die Menschen des Altertums gerade als ihre Stärke an: Dass da zwei oder mehr sich widersprechende Berichte über ein Ereignis nebeneinander standen. Damit war für die Menschen früherer Zeit bewiesen: Dieses Ereignis hat stattgefunden. Mögen die Einzelheiten in der Berichterstattung auch variieren, an der Tatsache des Ereignisses gibt es nichts zu rütteln.

Besonders krass ist diese Methode der zwei Berichte in der Erzählung von der Sintflut verwirklicht: Dort hat derjenige, der die heutige Version dieses Berichtes geschrieben hat, die zwei Berichte gemischt - also einen halben Satz aus dem ersten Bericht, dann einen halben aus dem zweiten, dann wieder etwas aus dem ersten usw., so dass die Erzählung also überhaupt nicht mehr rund ist, was aber selbst der dümmste Leser merken muss, denn die Zahlen stimmen überhaupt nicht überein.

Unzutreffende Schilderung politischer Sachlagen

Oft geben die biblischen Berichte die tatsächliche politische Lage, wie wir sie aus anderen Quellen der Archäologie kennen, nicht so wieder, wie sie scheinbar stattgefunden hat.

Das hängt damit zusammen, dass die Bibel kein Geschichtsbuch sein will und nicht Ereignisse historisch dokumentieren will. Sondern die Bibel will immer nur die Interpretation aus Gottes Sicht geben, denn das ist die Aufgabe der Bibel: Gottes Sichtweise der Welt erklären. Folglich können wir niemals davon ausgehen, dass wir in der Bibel eine historisch einwandfreie Darstellung der Geschichte bekommen, denn daran hatten die Schreiber der Bibel gar kein Interesse.

Beispiel:

Der König Omri von Israel (882-871 v.Chr.) war kommandierender General über die Wagenlenker, bevor er mittels einer Revolution König wurde. Er eroberte jede Menge Land zurück, das in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen war, und vergrößerte Israel damit fast um die Hälfte. Und als er sah, wie sich die Großmacht Assyrien entwickelte und welche politischen Pläne man dort hatte, kaufte er einen Hügel in Israel und erbaute dort eine völlig neue Hauptstadt, nämlich Samaria, deren Bau und Lage einen genialen Strategen verrät.

Und noch hundert Jahre nach Omri nennen die assyrischen Keilschriften Israel "Omriland", weil Omri politisch und strategisch eine Koryphäe war.

In der Bibel allerdings wird König Omri mit einigen wenigen Zeilen abgehandelt (1.Könige 16,21-28), und er kommt schlecht weg. Denn in Gottes Augen zählen nicht seine strategischen und politischen Fähigkeiten, sondern seine Treue Gott gegenüber. Und davon hatte Omri nun gar nichts zu bieten.




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