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Demut als Bild

Wir hatten in der Bibelstunde mal ein Bild über die Demut, das sah so aus:

Hier sollte das Bild über die Demut erscheinen.

Im allgemeinen wird eine demütige Lebenshaltung in den Gemeinden damit gleichgesetzt, dass jemand niedrige Arbeiten verrichtet. Der Christ muss bereit sein, den Abwasch zu machen, die Toiletten zu putzen und kostenlose Fahrdienste zu leisten.

Oder auf gut deutsch: Wenn Du Christ wirst, wirst Du erniedrigt.

Das entspricht nun aber ganz und gar nicht dem biblischen Bild. Denn in der Bibel ist es immer so, dass ein Mensch, den Gott beruft, erhöht wird. Nicht erniedrigt.

Gott berief den Mose VON den Schafen weg ZU einer Leitungsposition, nicht andersherum.

Gott berief David VON den Schafen weg ZUM König. Nicht umgekehrt.

Gott berief Petrus VON den Fischen weg ZUM Gründer und Leiter der Gemeinde.

Gott berief Maria von einem unbedeutenden Fräulein zur Mutter des Messias.

Und so könnte man ewig weitermachen. Wenn Gott jemanden in seinen Dienst berief, dann nicht zum Kloputzen.

In den heutigen Gemeinden wird es so allerdings geliebt. Dienen = niedrige Arbeiten. Denn die meisten Menschen in den evangelikalen und charismatischen Gemeinden haben eine furchtbare Angst davor, Fehler zu machen. Die meisten Christen sind abhängig vom Applaus der Anderen. Die Meinung der Anderen - noch dazu der Ungläubigen! - ist letztlich viel wichtiger als die Meinung Gottes. Ja, oft wird die Meinung der Anderen mit der Meinung Gottes gleichgesetzt: "Wenn Frau Hirsebrei sich über mich ärgert, dann ärgert sich Gott über mich!"

Wer niedrige Arbeiten verrichtet, kann natürlich keine schwerwiegenden Fehler machen. Das ist zumindest ungleich schwerer als in einer hohen Position. Und die Fehler, die einer bei niedrigen Arbeiten macht, lassen sich leicht korrigieren, und sie werden nicht von so vielen Menschen gesehen. Es ist viel weniger peinlich.

Eigentlich heißt "Gott dienen" aber, sich Gott zur Verfügung zu stellen für das, was Gott tun will. Und die Hauptanliegen Gottes sind nicht die Kehrwoche oder Fahrdienste für Leute, die ebensogut ein Taxi nehmen könnten.

Die Aufgaben der Christen hat Jesus so angekündigt, dass er in Johannes 14,12 sagte, dass wer an Jesus glaubt, die gleichen Werke tun wird wie Jesus und sogar noch größere. Und man hat Jesus nie mit einem Putzlappen gesehen. (Zumindest hat uns das niemand berichtet, und wenn niedrige Arbeiten dem Wesen Jesu entsprochen hätten, hätte man uns das mitgeteilt.)

Demut heißt also, Gott zur Verfügung zu stehen für das, was Gott tun will. Für das Große. Für das Machtvolle. Für das Wunder-bare.

Damit bedeutet Demut aber dummerweise auch, dass man die Macht über das eigene Leben an Gott abgibt. Denn was das Große ist, das Gott tun will, können wir oft nicht wissen. Und wenn wir doch wissen, was es ist, steht es nicht in unserer Macht, es zu tun. Gott muss es tun. Mit uns. Durch uns. Irgendwie.

Beim Abspülen und Putzen haben wir die volle Kontrolle. Wir bestimmen, wie wir es machen und wann wir fertig sind. Wir überblicken das Projekt, wir sind dem Projekt gewachsen. Das ändert sich aber grundlegend, wenn wir Gottes große Taten tun wollen. Die überblicken wir nicht, und wann es fertig ist, wissen wir auch nicht. Oft auch nicht, wo es hinführt.

Und damit dürfte klar sein, warum die Christen die wirkliche Demut nicht mögen: Weil dann Gott der Herr ist und nicht mehr sie selber.




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