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Gerechtigkeit in der Bibel

Dieser Artikel handelt davon, was der Begriff "Gerechtigkeit" in der Bibel bedeutet. Er bedeutet nämlich etwas völlig anderes, als "Gerechtigkeit" im heutigen deutschen Sprachgebrauch bedeutet. Darum kann es klug sein, vor dem Lesen dieses Artikels den Artikel "Gerechtigkeit - nicht in der Bibel" zu lesen.

Der Mensch ist gerecht

In den allermeisten Fällen, in denen die Bibel das Wort "Gerechtigkeit" bezogen auf einen Menschen benutzt, bedeutet es "Gott gerecht werden". Der "Gerechte" ist also nicht der, der Fair-Trade-Produkte kauft, sondern der Gottes Anforderungen gerecht wird. Das kann aber durchaus auch dadurch passieren, dass Gott den Menschen einfach "gerecht" spricht, so dass die "Gerechtigkeit" des Menschen dann nichts mehr mit seinem sozialen Verhalten zu tun hat, sondern nur noch mit seiner Haltung gegenüber Gott.

In diesen Zusammenhang gehört auch das Wort "Rechtfertigung". Rechtfertigung ist nämlich auch etwas anderes, als wie wir es im heutigen Sprachgebrauch verwenden. Es bedeutet, dass Gott einen Menschen gerecht spricht, also dem Menschen bestätigt, dass er so gelebt hat, wie es Gott gefällt.

Gott ist gerecht

Wenn es in der Bibel heißt, dass Gott gerecht ist, heißt das auch nur, dass Gott seinen eigenen Zusagen gerecht wird, also sich selbst. Gott ist deshalb gerecht, weil er sich an den Bund, den er mit Abraham abgeschlossen hat, hält.

Gott ist aber keineswegs gerecht in dem Sinne, dass er jedem das gibt, was ihm zusteht. Also auch in dem Sinne, dass Gott jedem gibt, was er verdient hat. Wir wären alle miteinander arm dran, wenn Gott uns geben würde, was wir verdienen.

Sondern Gott ist gnädig, und das ist das absolute Gegenteil von Gerechtigkeit in dem Sinne, wie wir sie heute verstehen. Gnade und Gerechtigkeit nach unserem Sprachverständnis können niemals nebeneinander existieren, denn die Gnade hebt die Gerechtigkeit auf. Gnade ist nach unserem heutigen Sprachgebrauch ungerecht.

Das Besondere an der Gerechtigkeit Gottes ist, dass sie durch menschliche Ungerechtigkeit nicht beeinflusst wird. Gott hält seine Zusagen, auch wenn der Mensch ihm untreu wird oder sich falsch verhält (Römer 3,3).

Gerechtigkeit im Sinne von "nicht kriminell"

Im Alten Testament kommt es gelegentlich vor, dass der Begriff Gerechtigkeit an Stellen genannt wird, wo im Grunde von kriminellen Verhalten die Rede ist. Da hat aber damit zu tun, dass in Israel Gottes Wort Staatsgesetz war und jemand, der sich kriminell verhielt, sich damit gleichzeitig gegen Gottes Willen verhielt. Also auch hier heißt "gerecht" dem Willen und Wesen Gottes entsprechend.

Beispiel:

Jeremia 22,3 An den König von Juda:

3 So spricht der HERR: Übt Recht und Gerechtigkeit und befreit den Beraubten aus der Hand des Unterdrückers! Und den Fremden, die Waise und die Witwe unterdrückt und vergewaltigt nicht und vergießt nicht unschuldiges Blut an diesem Ort!

Einen guten Überblick, wie das Alte Testament den Begriff "Gerechtigkeit" verstand, liefert uns die Zusammenfassung des Propheten Hesekiel: Hes 18,5-9

5 Und wenn jemand gerecht ist und Recht und Gerechtigkeit übt,
6 auf den Bergen nicht isstAlso nicht zu Götzenopfern auf den Bergen geht und seine Augen nicht erhebt zu den Götzen des Hauses Israel und die Frau seines Nächsten nicht unrein macht und einer Frau zur Zeit ihrer Absonderung nicht naht
7 und niemanden unterdrückt, das Pfand des Schuldners zurückgibtDas Gegenteil wäre nicht ungerecht, sondern kriminell!, keinen Raub begeht, sein Brot dem Hungernden gibt und den Nackten mit Kleidung bedeckt,
8 auf Zins nicht gibt und Aufschlag nicht nimmt, seine Hand vom Unrecht zurückhält, rechtes Gericht übt zwischen Mann und Mann,
9 in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen hält, um sie getreu zu befolgen: Gerecht ist er. Leben soll er, spricht der Herr, HERR. -



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