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Gebote

Gebote im Alten Testament

Aus dem Gesetz des Alten Testamentes kennen wir eine große Zahl an Geboten, die einen unmittelbaren, sofortigen und buchstäblichen Gehorsam verlangten. Als Beispiel sei hier die Anweisung genannt, dass die Bundeslade durch Träger an seitlich angebrachten Stangen zu transportieren war. Das schloss den Transport auf einem Wagen genauso aus wie den Transport in einem Zeppelin. Und weil David diese Anordnung nicht beachtete, musste Usa sterben (2.Sam 6).

Das Alte Testament kennt allerdings auch eine enorme Bandbreite an Geboten, die ziemlich variabel gehandhabt wurden, sowohl in die eine wie in die andere Richtung. So gibt das Gebot der Nächstenliebe und das Verbot des Hassens (3.Mose 19:17+18), die ja auf vielfältige Weise erfüllt werden können und deren Erfüllung vor allem von Gott beurteilt werden kann, aber weniger von Menschen. Auch das Gebot, den Nächsten zu unterstützen, dass er nicht verarmt (3.Mose 25,35), kann recht unterschiedlich ausgelegt werden und in sehr unterschiedlicher Intensität erfüllt werden.

Mitunter hing die Einforderung des Gehorsams gegenüber den Geboten auch von der Beziehung des Handelnden zu Gott ab. So konnte David eine ganze Reihe von Geboten brechen, ohne dass Gott das irgendwie kritisierte, weil er Gott prinzipiell sehr zugetan war. So hat David gegenüber Achisch gelogen, dass sich die Balken bogen (1.Sam 27:10), und er hat, um seine Untreue gegenüber Achisch zu verschleiern, die Menschen auf dem Sinai ohne Gnade abgeschlachtet. Das hat zwar letztlich dazu geführt, dass David den Tempel in Jerusalem nicht selber bauen durfte, aber härtere Konsequenzen hat Gott in diesem Fall nicht gezogen.

Andererseits kannte das alte Testament immer wieder Situationen, wo von den Gläubigen Dingen erwartet wurden, für die es gar kein Gesetz gab. Es wurde dann entweder vorausgesetzt, dass die Gläubigen wussten, was Gott gerade dachte, oder es gab spezielle Anweisungen exakt für diese einmalige Situation. So war es Sünde, als David eine Volkszählung durchführte, während es in Num 26 ein Gebot Gottes für eine Volkszählung gab. Elia wurde es sehr übel genommen, dass er vor Isebel weggelaufen war, obwohl es kein Gebot zu diesem Thema gab. Und der unbekannte Prophet aus Juda hatte eine exakte Anweisung, nicht den gleichen Weg für Hin- und Rückweg zu wählen – also eine Spezialanweisung außerhalb des Gesetzes. Diese Geschichte in 1.Könige 13 ist auch deshalb interessant, weil der zweite Prophet dort im Auftrag Gottes lügt.

Gebote im Neuen Testament

Gebote im eigentlichen, alttestamentlichen Sinne gibt es im Neuen Testament nicht mehr.

Wobei die große Mehrheit der strenggläubigen Christen den Fehler macht, dass sie das Gesetz des Alten Testamentes nehmen, die alten Gebote aus diesem Gesetz entfernen und alle Aufforderungen des Neuen Testamentes hineinfüllen. Und damit haben sie dann wieder ein Gesetz, dessen einzelne Gebote einen unmittelbaren, sofortigen und buchstäblichen Gehorsam verlangen. Man hat dann praktisch wieder Zustände wie im Alten Testament, aber mit ausgetauschten Vorschriften.

Jesus hat aber gesagt, er wolle seinen Nachfolgern ein neues Gebot geben (Jh 13,34), das aus der Liebe bestand. Paulus hat das umgesetzt, indem er den Korinthern zweimal schrieb, dass alles erlaubt ist, wenn auch nicht alles nützlich ist, und indem er dem Titus erläuterte (Tit 1,15), dass den Reinen alles rein ist.

Die Aufforderungen, von denen das Neue Testament jede Menge kennt, sind also als Hilfen zu verstehen, wie man das Gebot der Liebe gegenüber Gott und den Menschen umsetzen kann. So wie die Landesbewohner, die Zöllner und die Soldaten zu Johannes dem Täufer kamen und völlig orientierungslos fragten, was sie denn aufgrund der neuen Lage jetzt tun sollten und der Täufer ihnen dann einige detaillierte Vorschläge machte, die weit über das hinausgingen, was die Fragenden selber als den Willen Gottes definiert hätten, so macht uns das Neue Testament vielfältige Vorschläge, wie wir das Gebot der Liebe umsetzen können, und diese Vorschläge zeigen uns, wie weit die göttliche Liebe über das hinausgeht, was wir von uns aus als den Willen Gottes definieren würden.

In diesem Sinne muss man auch z.B. die Briefe des Johannes lesen, die gelegentlich etwas über „Gebote“ schreiben. Man muss sich fragen: Spricht Johannes hier über die Einhaltung hunderter einzelner neutestamentlicher Gebote, oder spricht er über die Ausgestaltung des einen, zentralen Liebesgebotes?




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