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Der Heilige Geist

So wie es einen "Geist des Menschen" gibt, so gibt es auch einen "Geist Gottes", also einen heiligen Geist.

1. Definition des Heiligen Geistes

Der Begriff "Geist" ist natürlich etwas altmodisch, aber die Bibel arbeitet nun mal mit diesem Begriff, also müssen wir ihn auch benutzen. Leider gibt es in der modernen Sprache kein adäquates Wort, durch das wir den Begriff "Geist" ersetzen könnten.

Was den Menschen und seinen Geist angeht, haben wir den Begriff heutzutagenoch in Formulierungen wie

  • geistloses Geschwätz
  • geisteskrank
  • geistesgegenwärtig
  • mens sana in corpore sano - ein gesunder Geist in einem gesunden Körper
  • jemandes Geisteskräfte lassen nach
  • und einigen anderen.
Der Geist des Menschen ist das, was der Mensch zwischen den Ohren hat. Der Begriff umfasst
  • das Denken des Menschen
  • den Charakter des Menschen
  • das Fühlen und Empfinden des Menschen
  • die Haltung des Menschen
  • die Weisheit des Menschen
  • die Intelligenz des Menschen
So ist der Geist Gottes das, was Gott zwischen den Ohren hätte, wenn er welche hätte.
Der Geist Gottes ist also das Denken, Fühlen, Empfinden Gottes, und er ist der Charakter, die Haltung, die Weisheit und die Intelligenz Gottes.
2. Funktionsweise

Der Heilige Geist wird von Gott allen denen zur Verfügung gestellt, die Jesus nachfolgen wollen. Der Heilige Geist betritt dann den entsprechenden Menschen und steht dem Menschen ab diesem Moment zur Verfügung.

Das versetzt den Menschen nun in die Lage, zu denken wie Gott denkt. Und zu empfinden, wie Gott empfindet. Die Haltung Gottes einzunehmen, und sich bei der Weisheit Gottes bedienen zu können. Das heißt, der Mensch ist jetzt in der Lage, tatsächlich ein "neuer Mensch" zu werden, mit neuem Denken, neuem Charakter, usw..

Außerdem eröffnet sich dem Menschen die Möglichkeit, Gottes Stimme hören und verstehen zu können. Und das ist nicht nur eine Grundlage für Weissagung und Prophetie, sondern das ist vor allem eine notwendige Voraussetzung für einen göttlichen Lebensstil. Damit wird endlich wahr, was in Jeremia 31:33+34 und in Joel 3:1 vorausgesagt wurde.

3. Auswirkungen

Die Auswirkungen dieser Möglichkeiten sind so umfassend und immens, wie Gott groß und herrlich und fähig ist. Jesus hat nicht umsonst zu seinen Aposteln gesagt, dass sie nicht nur die Werke tun werden, die er selbst getan hat, sondern größere. Die neu entstandenen Möglichkeiten sprengen den Rahmen dieses Artikels bei weitem. Darum kommen hier jetzt nur ein paar Beispiele aus dem Neuen Testament

In Apostelgeschichte 15:28 wird aus einem Brief zitiert, in dem die führenden Apostel schreiben, dass es sowohl ihnen selbst als auch dem Heiligen Geist gut erschienen ist, bestimmte Regeln aufzustellen. Hier hatten also die Apostel eine Meinung, die ihnen auch bewusst war, und der Geist Gottes hatte eine Meinung, und diese konnten die Apostel unabhängig von ihrer eigenen Meinung erkennen.

Während im vorigen Beispiel die Meinung Gottes und die der Apostel übereinstimmte, haben wir in Apostelgeschichte 16:6-10 den Fall, dass Paulus und seine Begleiter etwas wollen, der Heilige Geist aber etwas anderes will. Aber auch in diesem Fall können die Gläubigen die gegenteilige Meinung des Heiligen Geistes erkennen.

Wichtig ist, dass die Frucht des Geistes nicht in erster Linie etwas spektakuläres wie Zungenrede, Prophetie oder Wunder sind, sondern wenn Paulus über die Frucht des Geistes schreibt, dann nennt er Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit - und wenn man genau hinschaut, sind das genau die Dinge, die uns im täglichen Leben immer so schwer fallen. Die Auswirkungen des Geistes ist es also, ein Leben so leben zu können, wie wir es gerne auf unserem Grabstein lesen würden.

Von großer Bedeutung ist der Heilige Geist auch beim Verständnis der Bibel. Wie im Artikel über die Bibel als Gottes Wort näher ausgeführt, ist die Bibel noch lange nicht Gottes Wort, nur weil sie gedruckt vorliegt. Denn viele Menschen lesen die Bibel, ohne auch nur ein einziges Wort von Gott für sie darin zu entdecken. Sie lesen Gottes Wort, aber sie hören Gott darin nicht reden. Die Bibel zu lesen ohne den Heiligen Geist, macht einen Menschen vielleicht belesen, führt aber nicht dazu, dass er den Inhalt versteht.

Es gibt viele Wahrheiten in unserem Leben - schon allein deshalb, weil wir modernen Menschen in ungeheuer komplexen Zusammenhängen und Lebenssituationen leben. Hier durchzublicken und die Hintergründe zu verstehen, ist extrem schwierig. Und das Gute vom Bösen oder vom Zweitbesten zu unterscheiden - also die Dinge zutreffend beurteilen zu können - stellt uns vor unlösbare Aufgaben. In dieser Situation kündigt Jesus uns nicht nur an, dass wir die Wahrheit erkennen werden (Jh 8:32), sondern dass der Heilige Geist uns in alle Wahrheit leiten wird (Jh 16:13). Letztlich ist das der gleiche Vorgang, den Jakobus beschreibt, wenn er sagt (Jk 1:5): "Wem Weisheit mangelt, der bitte Gott, der allen willig gibt ..."

Zusammengefasst sind die Auswirkungen, dass wir Jesus ähnlicher werden können. Dass uns die gleichen Ressourcen zur Verfügung stehen, die Jesus hier auf dieser Erde ebenfalls zur Verfügung gestanden haben. Dass wir neue Menschen werden. Dass uns Dinge möglich werden, die eigentlich nur Gott möglich sind. Dass wir tatsächlich ein göttliches, geheiligtes Leben führen können. Wenn Jesus sagte, dass dem Glauben nichts unmöglich ist, dann verwirklicht sich das mit HIlfe des Heiligen Geistes.

4. Was der Heilige Geist NICHT ist

Da alle Erkenntnis über den Heiligen Geist mit dem Erleben des Heiligen Geistes zusammenhängt und nicht durch wissenschaftliche, pseudowissenschaftliche oder logische Erkenntnismethoden zu erhalten ist, haben sich im Laufe der Jahrhunderte viele wunderbare Theorien über den Heiligen Geist gebildet. Das ist auch nachvollziehbar, denn beim Lesen der Bibel stößt man unweigerlich auf den Heiligen Geist als eine wichtige Komponente und ist gezwungen, irgend eine Stellung gegenüber diesem Geist einzunehmen.

Allerdings ist Erkenntnis über den Heiligen Geist tatsächlich nur über das Erleben dieses Geistes zu erhalten. Und dieses Erleben des Geistes ist stark abhängig von der Hingabe des Menschen an Gott, von der Größe seines Glaubens und der Intensität seiner Gebete. Das sind nun allerdings Eigenschaften, die sich in den Gemeinden niemals großer Beliebtheit erfreut haben. Weshalb man immer wieder gezwungen war, Lehren oder Theorien über den Heiligen Geist zu bilden, weil einem der direkte Zugang zu diesem Geist nicht zur Verfügung stand.

Das führte auf der einen Seite zu dem Extrem, dass der Heilige Geist nur noch ein Anhängsel der Dreieinigkeit wurde und ihm im Grunde genommen weder Aufgabe noch Kraft zugesprochen wurde. Auf der entgegengesetzten Seite führte das zu dem Extrem, dass man den Heiligen Geist unbedingt erleben wollte, und deshalb übernatürliche Gaben wie Zungenreden, Prophetie und Wunder "produziert" wurden und als Beweis für die Anwesenheit und Wirkung des Heiligen Geistes gewertet wurden. (Und jeder Mensch und jede Gemeinde, die diese übernatürlichen Ereignisse nicht hatte, wurde folglich für geistlos erklärt.) Wobei der Wille, den Geist Gottes unbedingt erleben zu wollen, ja gar nicht zu tadeln ist. Zu tadeln ist nur, dass man nicht den von Gott vorgesehenen Weg über Demut, Hingabe und Glauben (also über Lebensstil) einschlagen wollte, sondern meinte, man könne über den Geist Gottes verfügen - der Geist Gottes habe also so zu funktionieren, wie man das gerne gehabt hätte.

Der Heilige Geist ist also weder der Lieferant übernatürlicher Geistesgaben - übernatürliche Erscheinungen sagen nichts über die Anwesenheit des Heiligen Geistes aus, denn die Zauberer des Pharaos konnten das Meiste, was Mose konnte, auch, und die Macht und die Möglichkeiten des Teufels sollte man nicht unterschätzen. Die Abwesenheit von übernatürlichen Geistesgaben sagt folglich ebenfalls nichts über die Anwesenheit des Heiligen Geistes aus - noch ist der Heilige Geist ein undefinierbares schwebendes Etwas oder eine große sphärische Idee, deren Kraft sich in den Gedanken der Menschen manifestiert oder in der menschlichen Schwarmintelligenz.

Und auch wenn dieser Artikel im Abschnitt 1 versucht hat, den Heiligen Geist zu definieren, so muss man letztlich zugeben, dass sich der Heilige Geist nur in dem Maß definieren lässt, wie Gott sich definieren lässt. Und da werden wir uns wohl weiterhin in Bescheidenheit und Zurückhaltung üben müssen.







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