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Das Opfer am Kreuz

Wer Schwierigkeiten hat, die Bedeutung des Kreuzes und der Kreuzigung Christi wirklich zu verstehen, der steht nicht alleine da. Die Geschehnisse um das Kreuz sind nämlich nur unter großen Mühen zu verstehen.

Mit menschlicher Logik, die wir im Westen zum Denken benutzen, ist das Kreuz nicht verstehbar. Wobei die Araber es mit ihrer Art zu denken vermutlich auch nicht verstehen werden.

Denn das Kreuz ist das Handeln eines unglaublich hohen, unglaublich komplexen Gottes, der viele Gedanken gleichzeitig denken kann, auch gegenteilige, und der alle diese Gedanken in eine einzige Handlung legen kann.

1. Voraussetzungen zum Verständnis

Um sich dem Verständnis des Kreuzes überhaupt annähern zu können, muss man das Problem verstehen, dessen Lösung das Kreuz darstellt.

In 3.Mose 19:1 fordert Gott von den Leuten, die mit ihm zusammen leben wollen: "Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig." Und in 2.Mose 22,30 fordert Gott: "Heilige Menschen sollt ihr mir sein!"

Ein Problem entstand jetzt eigentlich nur, wenn man mit Gott zusammen leben musste (wie die Israeliten) oder mit ihm zusammen leben wollte (wie einige Israeliten und einige Christen). Als Mensch war und ist man nämlich nicht in der Lage, die geforderte Heiligkeit herzustellen. Der Mensch an sich ist einfach zu fehlerhaft, zu unperfekt.

Zur Herstellung dieser Heiligkeit - zumindest für kurze Zeit - gab es im Alten Testament zwei Methoden: Das Verhalten (also das Einhalten der Gebote) und das Tieropfer im Tempel.

Nebenbei bemerkt:
Es war das Problem der Pharisäer, dass die Herstellung dieser Heiligkeit für sie das Ziel war. Dabei sollte die Heiligkeit aber eigentlich nur ein Mittel zum Zweck sein, nämlich zu dem Zweck, mit Gott gut zusammen leben zu können. Das Ziel war ein enges Zusammenleben mit Gott, und Heiligkeit war nur ein Mittel, um dieses zu ermöglichen. Das Bedürfnis der Pharisäer, mit Gott zusammen leben zu wollen, war allerdings gering.

Beide Methoden zur Erreichung der Heiligkeit waren aber unzureichend. Perfektes Verhalten war kaum hinzukriegen, und die Opfer mussten ständig wiederholt werden. Folglich war für die Leute, die tatsächlich mit Gott leben wollten, das ganze Leben ein ständiger Kampf gegen die Unheiligkeit. Ein Kampf, den sie eigentlich niemals gewinnen konnten.

Und für dieses Problem bietet das Kreuz die Lösung.

Und wenn es nicht Ihr dringendster Wunsch ist, mit Gott so eng wie möglich zusammen zu leben, dann hat das Kreuz Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, nichts Brauchbares zu bieten.

2. Das Opfer

Eigentlich hatte ein Mensch, der neben Gott stand und nicht heilig war, sein Leben verwirkt. Wer neben Gott steht und nicht Gottes Eigenschaften hat, wird einfach nur verglühen oder verdampfen, weil die Heiligkeit Gottes so stark ist, dass sie alles Unheilige in ihrer Nähe restlos wegätzt.

Darum durften die Menschen, die im Alten Testament baten, Gottes Gesicht zu sehen, es nicht sehen. Ein explodierendes Atomkraftwerk ist gar nichts gegen die Stärke der Strahlung, die von Gottes Heiligkeit ausgeht.

Wenn der Mensch jetzt aber einen Ersatz für sein eigenes Leben ablieferte - sozusagen einen Stellvertreter, der an des Menschen Stelle starb - dann konnte Gott den Mangel an Heiligkeit für eine Zeitlang übersehen. Dieser Ersatz für den Menschen musste ein Leben haben - eine Bierdose konnte nicht Ersatz sein - und der Ersatz musste so gut wie möglich sein, also ohne Fehler und Mängel.

Im Alten Testament dienten hochwertige Tiere als Ersatz für den Menschen. Die Tiere mit dem höchsten Wert, welche die Menschen damals hatten, waren Rind, Ziege und Schaf.

Aber dieser Ersatz war eben nur Ersatz. Das war nichts gleichwertiges. Die Beziehung zu Gott wurde dadurch besser, die schlimmsten Stolpersteine zwischen Menschen und Gott waren dadurch beseitigt, aber so gut wie bei Adam und Eva im Paradies war es dadurch noch nicht.

Und an dieser Stelle gab Gott einen Teil von sich selbst als Opfer, seinen Sohn. Und der war jetzt nicht nur gleichwertig - dann hätte er ja sein eines Leben nur für die Sünden eines einzigen Menschen geben können, und dieser eine Mensch hätte dann eine perfekte Beziehung mit Gott haben können - sondern dieses Opfer war jetzt höherwertiger als jeder Mensch. Es war so hochwertig, dass es höher nicht mehr ging - es wurde das höchste geopfert, das überhaupt geopfert werden konnte, ein perfektes Opfer mit so einer unglaublichen, unüberbietbaren Perfektion - das reichte als Ersatzopfer für alle Menschen aller Zeiten.

3. Die Konsequenzen

Damit ist jetzt auf einer bestimmten Ebene die Beziehung zwischen Menschen und Gott wieder auf dem Niveau möglich, wie sie im Garten Eden beschrieben wurde: Der direkte Kontakt zwischen Gott und Mensch. Also Nähe zu Gott.

Wir sind zwar noch nicht wieder im Garten - also wir können Gott noch nicht sehen - aber die Verhältnisse haben sich deutlich angenähert. Während im Alten Testament der unmittelbare Kontakt zu Gott eher selten war, ist er heutzutage jedem Menschen auf der Welt möglich.

Anwendungen dieser unmittelbaren Kontaktmöglichkeiten zu Gott findet man im Artikel "Heiliger Geist" und im Artikel "Gottes Stimme hören" in diesem Lexikon.




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