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Lösen und Binden

Die Bibelstellen über das Lösen und Binden im Reich Gottes stehen in Zusammenhang mit dem Thema "Macht". Denn Lösen oder Binden kann nur, wer die Vollmacht dazu hat.

Die folgenden Bibelstellen gibt es zu diesem Thema:

Mt 16,18-19
18 Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.
19 Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben; und was immer du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein.

Joh 20,22-23
22 Und als er dies gesagt hatte, hauchte er sie an und spricht zu ihnen: Empfangt Heiligen Geist!
23 Wenn ihr jemandem die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, wenn ihr sie jemandem behaltet, sind sie ihm behalten.

Matthäus 18,18
18 Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr etwas auf der Erde bindet, wird es im Himmel gebunden sein, und wenn ihr etwas auf der Erde löst, wird es im Himmel gelöst sein.

1.Kor 5,4-5
4 - wenn ihr und mein Geist mit der Kraft unseres Herrn Jesus versammelt seid -,
5 einen solchen im Namen unseres Herrn Jesus dem Satan zu überliefern zum Verderben des Fleisches, damit der Geist gerettet werde am Tage des Herrn.

1.Tim 1,20
20 unter ihnen sind Hymenäus und Alexander, die ich dem Satan übergeben habe, damit sie zurechtgewiesen werden, nicht zu lästern.

Die erste Bibelstelle (Mt 16) handelt ganz allgemein davon, dass die Gemeinde die Instanz ist, die darüber entscheidet, ob jemand zu Gott gehört oder nicht.
(Petrus ist als Fundament Teil der Gemeinde. Was auf ihm, auf diesem Fundament, aufgebaut ist, hat den Schlüssel damit auch.)

Gott hat diese Aufgabe delegiert. Er hat eine Vollmacht erteilt. Das hat er in vielen anderen Bereichen auch getan.

Die Gemeinde nimmt diese Aufgabe in allererster Linie dadurch wahr, dass sie die Gute Nachricht bekannt macht. Denn erst wenn ein Mensch die Botschaft von der Rettung und dem Heil hören (oder lesen ...) kann, kann er eine Entscheidung treffen, die ihn entweder an den Himmel bindet, oder ihn definitiv vom Himmel löst.

Auch die zweite Bibelstelle (Jh 20) geht erst einmal in diese allgemeine Richtung. Die Vergebung der Sünden wird zugesprochen und wahr gemacht durch die Taufe. Wer von der Gemeinde getauft ist, der kann sicher sein, dass diese Taufe auch im Himmel anerkannt wird (und alle mit der Taufe zusammenhängenden Vorgänge auch).

Die letzten drei Bibelstellen beziehen sich dann auf den gleichen Vorgang, den wir auch im Alten Testament kennen. Denn schon lange vor Jesus war das Volk Israel aufgefordert, das Böse aus seiner Mitte herauszutun. Für einige Dinge, die Gläubige taten, gab es sogar die Todesstrafe, und die Gemeinde hatte diese Strafe selbst durchzuführen. Und damit war das Urteil sozusagen auch für Gott verbindlich, denn man konnte die vollzogene Todesstrafe ja nicht wieder rückgängig machen!

Und wohlgemerkt: Wenn ein Ungläubiger genau das Gleiche tat, passierte gar nichts. Die Gemeinde hatte diese Vollmacht nur über ihre Mitglieder.

Was in diesen letzten drei Bibelstellen beschrieben wird, ist also nur die Übertragung der alttestamentlichen Vollmacht in die neutestamentliche Gemeinde. "Du sollst das Böse aus Deiner Mitte hinaustun."

Missbrauch

Wer die Frage nach dem Missbrauch stellt, beweist zuerst einmal ein bemerkenswertes Misstrauen gegenüber der Gemeinde und gegenüber dem die Gemeinde regierenden Christus.

Des weiteren wissen wir schon aus dem Alten Testament - und diese Regeln gelten in der neuen Gemeinde unverändert - dass eine Vollmacht nicht mehr "funktioniert", wenn der Mensch oder die Gruppe, der sie verliehen wurden, nicht mehr in Heiligung und Heiligkeit leben.

Vollmachten von Gott sind immer lebensstilabhängig. Sie werden sozusagen nicht dem Menschen (oder der Gruppe) verliehen, sondern der Beziehung dieses Menschen zu Gott. Vollmachtsträger ist also eigentlich die Beziehung, denn die Kraft und Wirkung der Vollmacht muss immer von Gott kommen. Und wenn da die Leitung gestört ist ...

Einige Beispiele aus dem AT, wo eine Vollmacht wirkungslos wurde aufgrund der Haltung der Bevollmächtigten:

  • Als die Israeliten aus Ägypten kamen, erhielten sie die Vollmacht, das gelobte Land in Besitz zu nehmen. (Die Vollmacht bestand u.a. darin, dass die Feinde ihnen nicht widerstehen konnten.) Als die Israeliten dann aber das Land nicht einnehmen wollten wegen der Riesen, da entzog Gott ihnen diese Vollmacht. Mose erklärte dem Volk dann, dass sie jetzt 40 Jahre in der Wüste bleiben mussten, und als sie daraufhin dann doch versuchten, das gelobte Land sofort einzunehmen, misslang das vollständig.
  • Die Vollmacht zum Beten, also vor Gott Gehör zu finden und Zuwendung, wurde den Israeliten entzogen, wenn sie den Willen Gottes mit Füßen traten. Steht z.B. in Jes 1,15 und Jes 59:1-3.
  • Dem König Saul wurde die Vollmacht, König von Gottes Gnaden zu sein, aufgrund seines Lebensstil entzogen.

Die Frage nach dem Missbrauch der Vollmacht des Bindens und Lösens ist also sachfremd. Wirkungsvoll Binden und Lösen können nur Gemeinden, die tatsächlich heilig und geheiligt leben und denken. Und solche Gemeinden zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Stimme Gottes hören können, und wenn ihnen im Eifer des Gefechts wirklich mal ein diesbezüglicher Fehler unterläuft, kann Gott diese Gemeinde zurückpfeifen.

Und solche Gemeinden werden diese Vollmacht auch nicht zu gottlosen Zwecken einsetzen. Eben weil sie SOLCHE Gemeinden sind.




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