Sie sind hier: Startseite Lexikon Prädestination

Vorherbestimmung

Inhaltsverzeichnis

Der Fehler
Die Tatsachen
Fazit

Das Problem, das das hier besprochene Thema macht, ist, dass es überhaupt nicht klar umrissen ist.

Es handelt sich weniger um ein Thema als um eine Wolke, in der Begriffe wie "Berufung", "Erwählung", "Vorherbestimmung", "Bestimmung" in diffuser Nebeligkeit umherschweben.

Letztlich geht es um die Frage, ob und inwieweit der Mensch Entscheidungsfreiheit hat, oder ob jeder Mensch von vornherein eine Bestimmung hat, der er nicht entgehen kann.

In der konsequentesten Form dieser Lehren geht es dann um die Frage, ob es Menschen gibt, die von Gott dazu vorherbestimmt wurden, in der Hölle zu landen und die folglich keine Chance haben, in den Himmel zu kommen. Oder eben anders herum: Dass es Menschen gibt, die von vorn herein dazu bestimmt sind, im Himmel zu enden.

Der Fehler

Der Denkfehler, der jeder Lehre über Vorherbestimmung zugrunde liegt, liegt

  • in dem Gedanken, dass Gott jeden Menschen individuell designed hat, dass jeder Mensch ein ganz spezieller und einzigartiger Gedanke Gottes ist
  • in der Vorstellung, dass man Gottes Denken und Handeln in einer eindeutigen Lehre zusammenfassen kann, man also Gott eine systematische Gesetzmäßigkeit seines Handelns andichtet

1. Jeder Mensch ein einzigartiger Gedanke Gottes

Wenn man davon ausgeht, dass jeder Mensch individuell von Gott erdacht und designed wurde, liegt natürlich der Gedanke nahe, dass zu dieser Maßarbeit an Körper, Seele, Verhalten und Einstellungen auch eine entsprechende Aufgabe gehört. Dass diese Designarbeit Gottes also einem bestimmten Ziel diente, nämlich das eine bestimmte Aufgabe in dieser Welt von diesem einen Menschen erledigt wird.

Es wären dann also nicht nur Körper, Seele, Verhalten und Einstellungen des Menschen von Gott designed, sondern das gesamte Schicksal, das komplette Leben.

2. Aus Gottes Handeln eine Lehre machen

Die Gefahr, das Handeln Gottes zur katalogisieren und in Regeln und Gesetze zu pressen, kommt immer dann auf, wenn Gemeinden und Christen Gott nicht mehr als handelnde Person kennen lernen, sondern als Lehre oder als Prinzip. Da man Gott nicht persönlich kennt, hofft man seiner sicher zu werden, indem man ihn einordnet und sein Handeln systematisiert.

Gott wird dann zu einer Art Roboter mit 3 verschiedenen Verhaltensmöglichkeiten a), b) und c), und in eine dieser Kategorien muss jedes Handeln Gottes hineinpassen. Und je weniger Kategorien, um so besser, damit das Bild Gottes nicht so kompliziert wird.

Gott ist aber eine Person, die größer ist als jeder Mensch und die mehr Varianten des Handelns kennt als irgendein Mensch. Folglich kann man das Handeln (und Denken) Gottes nur dann in Regeln und Gesetze fassen, wenn Gott selbst diese Regeln und Gesetze verkündet hat und versprochen hat, sich daran zu halten.

Aus dem Handeln Gottes Rückschlüsse auf eine dahinter stehende Gesetzmäßigkeit zu ziehen, ist aber falsch. Auch dann, wenn Gott zehnmal oder hundertmal nach dem gleichen Muster gehandelt hat. Man weiß dann nur, dass dies eine Handlungsvariante ist, die Gott gelegentlich oder öfter benutzt. Mehr weiß man dann nicht.

Die Tatsachen

Die Bibel kennt Berufung, Erwählung und Vorherbestimmung durch Gott, allerdings in sehr unterschiedlichen Formen.

  1. Berufung vor der Zeugung
    • Jesus
    • Isaak
    • Simson (Richter 13,3)
  2. Berufung vor der Geburt
    • Jakob und Esau
    • Jeremia
    • Samuel - die Berufung geschah aber durch seine Mutter! (1.Samuel 1)
  3. Berufung mitten im Leben
    • Mose
    • Jona
    • David
    • Hesekiel
    • Paulus
  4. Berufung, ohne es zu wissen
    • Nebukadnezar
    • Josef (Vater von Jesus)
    • Kyrus (persischer König, der die Vorhersage über die 70 Jahre erfüllte)
  5. Berufung von Völkern oder Gruppen
    • Israel
    • Kanaaniter

Die Bibel kennt die unterschiedlichsten Arten und Formen von Berufung. Es gibt auch eine Berufung zum Widerstand gegen Gott (Pharao), es gibt Berufungen für kleine und große Aufgaben, und auch Berufungen, in die man qua Geburt gelangt, die also einfach genetisch vererbt wurden (König von Israel und Vorfahre von Jesus zu sein). Es gibt Leute, die 5 Portionen Geld bekommen und als Belohnung 10 Städte, und Leute, die 2 Portionen Geld bekommen und niemals die Chance erhalten, 10 Städte zu bekommen.

Es gibt Erwählung als Belohnung für gute Leistungen, und es gibt auch Erwählung, die ausdrücklich auf keinen Verdienst des Erwählten zurückgeht. Es gibt Erwählung aufgrund vorhandener Begabungen und Fähigkeiten, und es gibt Erwählung ausdrücklich deshalb, weil eine entsprechende Begabung überhaupt nicht vorhanden ist und somit die Kraft Gottes in dieser Erwählung besonders sichtbar wird.

Römer 8 handelt davon, dass alle die, die sich für Jesus entscheiden, automatisch von Gott zu weiteren Dingen berufen werden. Hier ist die Berufung also von einer eigenen Entscheidung abhängig.

Und dann gibt es auch noch Aufträge, die jeder Christ zu erfüllen hat, und es gibt Aufträge, die nur einzelne Christen zu erfüllen haben.

Fazit

Es gibt Erwählung, Berufung und Vorherbestimmung von Gott, aber es gibt sie weder als Gesetz noch als Lehre, sondern nur als freies Handeln Gottes, das sich einer Systematisierung durch Menschen vollständig entzieht.




Ende der Seite

>